Formenbau Teil 2 (Abformen des Urmodells)


In diesem Teil beschreibe ich das Abformen des Urmodells aus Teil 1

Material für die Form

Wichtig: Nicht anfangen, bevor alle Materialien bereit liegen. Jeder Arbeitsschritt muss komplett vorbereitet sein, bevor das Harz angemischt wird. Sonst wird es stressig oder geht komplett in die Hose  :|
Ich habe mich für das Trennen mit Folientrennmittel entschieden. Man kann das auch anders machen. Da ich aber in manchen Foren von katastrophalen Pannen beim Trennen gelesen habe, schien mir dieser Weg der sicherste. Folientrennmittel gilt als absolut trennsicher, was ich auch bestätigen kann. Allerdings ist die Qualität der Oberfläche nicht ganz perfekt (zumindest bei mir). Auch bei sehr gleichmäßigem Auftrag des Trennmittels kann es zu ganz kleinen Bläschen kommen, die dann winzige Löcher in der Formoberfläche erzeugen. Diese lassen sich aber auch noch in der fertigen Form herauspolieren.

Ich habe alles bei R&G gekauft. Daher beziehe ich mich hier auf deren Produkte. Ich werde aber nicht für Werbung von R&G bezahlt. Daher hier noch der Verweis auf andere Lieferanten:  EMC-Vega, Bacuplast, Rückert-Modellbau, ...



Trennebene bauen

Um die erste Hälfte der Form zu laminieren, muss eine Rumpfhälfte auf einer glatten Ebene liegen. Dies könnte man erreichen, in dem man das Urmodell längs mittig durchsägt. Einfacher ist es, das Urmodell halb in einer kunststoff-beschichteten Holzplatte zu "versenken". Hierzu muss ein Ausschnitt in die Holzplatte gesagt werden, der möglichst genau dem Umriss des Urmodells entspricht.
Bild "Formenbau_Trennebene1.png"

Das Anzeichnen des Umrisses kann man so machen: Man befestigt einem Bleistift so wie auf der Zeichnung unten gezeigt an einem Winkel oder Geodreieck. Dann führt man es am Urmodell entlang und überträgt so die Kontur auf die Trennebene.

Bild "Formenbau_Trennebene2.png"

Mit der Stichsäge mache ich dann den Ausschnitt. Hierbei reißt leicht die Oberfläche der Platte etwas aus an der Schnittkante. Das lässt sich aber später mit Plastilin ausbessern, das man braucht, um den Zwischenraum zwischen Urmodell und Trennebene sauber zu füllen.

Die Trenneben setze ich nun mit Abstandshaltern (Holzklötzchen) auf eine zweite Platte. Der Abstand der beiden Platte muss etwas größer sein als die Hälfte der breitesten Stelle des Rumpfes. Dann setze ich den Rumpf in die Aussparung ein und unterstütze ihn so mit Styroporklötzen, dass er genau in der Trennebene fixiert ist. Das Plastilin drücke ich mit dem Finger in den Zwsichenraum und entferne alle Überstände mit dem Stecheisen.

Bild "Formenbau_Plastilin.jpg"

Trennmittel

Nun trage ich vorsichtig das Grundierwachs auf. Das ist kein Trennmittel sondern erlaubt eine gute Benetzung mit dem Folientrennmittel. Vorsicht: Wenn man zu stark reibt, dann trägt man damit den Lack ab. Vielleicht ist Acryllack doch nicht das Richtige...
Bild "Formenbau_Grundierwachs.jpg"
Überall steht, dass man das mehrmals machen soll. Ich habe diesen Vorgang daher 4 mal wiederholt.
Nach 24-stündiger Trocknung trage ich das Folientrennmittel auf. Ich habe es großzügig über den Rumpf gegossen und dann mit einem breits vorher getränkten Schwamm gleichmäßig verteilt.
Der Schwamm muss sehr feinporing sein. Hierzu eignet sich ein "Schmutzradierschwamm" wie dieser hier:
Bild "Formenbau_Schwamm.jpg"

Vorbereitungen für's Laminieren

  1. Messinghülen absägen. Zumindest die von R&G sind auf einer Seite geschlossen. Da man die aber mit einlaminiert, muss man die Passstifte von der Rückseite einstecken können und auch nachher herausschlagen - keine Ahnung, warum die so verkauft werden...
  2. Messinghülsen mit Sekundenkleber nahe am Urmodell gleichmäßig verteilt auf die Trennebene (auf das Folientrennmittel kleben).
  3. Messinghülsen mit Plastilin zustopfen, damit kein Harz hineinlaufen kann
  4. Das Glasgewebe auf Übermaß zuschneiden: 1 Stück 100g/qm und zwei Stücke 300g/qm
  5. Kleine Reststücke 100g/qm zurechtlegen
  6. Das Formenharz anrühren (für diesen kleinen, 50cm langen Rumpf reichte 100g Harz + Härter

Bild "Formenbau_Formharz.jpg"

/!\ Wichtig: Das Formenharz ist angedickt (tixotropiert). Daher lässt es sich nicht so gut mit dem Härter vermischen, wie normales, sehr flüssiges Laminierharz. Daher fülle ich das vermischte Harz in einen neuen Becher um, damit ich auf keinen Fall ungemischtes Harz in die Form streiche.

Laminieren

Nun trage ich das Formenharz gleichmäßig auf das Urmodell und rundherum einige cm auf die Trennebene auf. Dabei müssen die Messinghülsen gut umschlossen sein.
/!\ Wichtig: Darauf achten, dass das Harz sauber den Übergang zwischen Trennebene und Urmodell füllt. Sonst hat die Form dort später Löcher.

Nun ca. 2 Stunden warten, bis das Laminierharz angeliert ist...

Nun rühre ich das Laminierharz an. Einen Teil davon fülle ich separat ab und dicke ihn mit Tixotropiermittel so ein, dass es zäh wie Honig ist. Dies fülle ich in eine Einwegspritze ab. Alternativ kann man eine Tüte nehmen, deren Ecke man so abschneidet, dass sich eine Raupe des angedickten Harzes herausdrücken lässt.
Hiermit fülle ich nun zuerst alle Ecken aus (siehe Zeichnung unten).
/!\ Wichtig: Glasgewebe lässt sich nicht knicken und verlangt daher sanfte Radien. Deshalb muss man scharfe Ecken mit angedicktem Harz "entschärfen".

Bild "Formenbau_Schema.png"

Nun lege ich die 100g/qm Reststücke überall hin, wo Ecken oder komplizierte Übergänge sind. Danach tupfe ich die Stücke mit einem harzbenetzten Pinsel fest. Genauso verfahre ich dann mit dem großen 100g/qm Stück und nachher hintereinander mit den beiden 300g/qm Stücken.

Jetzt heißt es 24 Stunden warten...

Wenn alles gut mit Trennmittel eingestrichen war, kann man jetzt den Rumpf aus der Trennebene nach oben herausdrücken. Hierzu helfe ich mit einem Stecheisen am Rand der Form etwas nach.
/!\ Natürlich muss das Urmodell in der Form bleiben.

Nun bohre ich die Messinghülsen auf (sind ja auf einer Seite von Glasgewebe und Harz bedeckt) und stecke die Passstifte ein. Auf diese setze ich dann die andere Hälfte der Messinghülsen.
Nun heißt es wieder grundieren und Folientrennmittel auftragen und dann läuft der ganze Laminiervorgang noch einmal so ab, wie oben beschrieben.

Nach weiteren 24 Stunden Wartezeit können die Passstifte herausgeschlagen und die Formhälften getrennt werden. Auch hier hilft das Stecheisen und leichtes Verwinden.
Das Ergebnis sieht dann so aus:

Bild "Formenbau_Formen.jpg"

Die Reste des wasserlöslichen Folientrennmittels wasche ich dann unter warmem Wasserstrahl aus der Form.
Etwaige Fehlstellen kann man jetzt noch sehr gut heraus polieren.

Nun steht dem Rumpfbau nichts mehr im Wege. Den beschreibe ich in Teil 3