Tigerhai


Wolfgang Werling, der eine ganze Reihe sehr erfolgreicher Brettnurflügel konstruiert hat, traf mit dem Tigerhai aus FMT 04 und 05/2012 genau meinen Geschmack:
2600mm Spannweite
unter 2kg Gewicht
Das verspricht ein handliches Modell, das man aber auch noch in größerer Entfernung ganz gut sieht.

Dank eigener Fräse und Folienplotter habe ich wirklich alles an dem Modell selber gemacht. Hier mein Tigerhai
Bild "Tigerhai.JPG"  

Der Bau und das Einfliegen sind sehr schön im RC-Network Forum dokumentiert, so dass ich hier nur beschreibe, wie ich vorgegangen bin.
http://www.rc-network.de/forum/showthread.php/322184-Tiger-Hai-aus-FMT

Auch, wenn die Bauteile zu einem wirklich fairen Preis als Frästeilesatz angeboten werden, so macht es mir mehr Spaß alles selber zu machen.
Ich habe die FMT-Baupläne eingescannt und dann mit Inkscape auf einer Geschäftsreise abends im Hotel nachgezeichnet. So kann man seinem Hobby auch unterwegs nachgehen...  ;)

1. Schritt: Einscannen

Bild "Tigerhai_Scan.jpg"

2. Schritt: Nachzeichnen mit Inkscape

Inkscape kann auch Linien vektorisieren. Allerdings braucht das jede Menge Nacharbeit, da die FMT-Baupläne nicht so lückenlos durchgezeichnet sind. Da geht es schneller, den Scan als Bitmap in das Bild zu importieren und dann mit Vektorlinien nachzuzeichnen.
Bild "Tigerhai_Inkscape.JPG"
Bei den Rippen bin ich so vorgegangen:
Ich habe nur das Wurzelprofil mit viel Liebe :) nachgezeichnet und es dann jeweils kopiert und auf die jeweilige andere Rippe skaliert. Dabei muss man dann jeweils noch die Holmpositionen verschieben, was aber mit der Punktbearbeitungsfunktion von Inkscape schnell über die Bühne geht.

3. Schritt: Fräsen

Inkscape exportiert nach HPGL. Das ist eine einfach lesbares Format, das im Wesentlichen nur zwei Befehle kennt: Linie fahren mit angehobenem Stift. Linie Fahren mit gesenktem Stift. Ich habe mir eine kleine Schrittmotorsteuerung gebastelt, die diese Befehle liest und über den herkömmlichen Druckerport eines alten Windows95 Rechners damit die Schrittmotoren bewegt. Ein Dremel-Klon von Aldi reicht aus, um aus Balsa und Pappelsperrholz die Teile auszufräsen.
Bild "Tigerhai-Fräse.jpg"
Bild "Tiegerhai_Rippen.JPG"

4. Schritt: Das Bauen

Da Wolfgang Werling das Modell sehr sauber durchkonstruiert hat, passt alles perfekt zusammen wie bei einem Baukasten. Da macht die Bauerei wirklich Spaß und es geht auch schnell voran.
Bild "Tigerhai_Rumpfbau.JPG"

Ich habe mich an die Empfehlungen im RC-Network Forum gehalten und HS125 Servos für alle 4 Ruder verwendet. Die Tragflächen sind dick genug, um die Servohebel komplett zu verstecken. Es kommen nur die Gabelköpfe durch kleine Löcher oben (bei den Wölbklappen) bzw. unten (bei den Querrudern) zum Vorschein.  
Bild "Tiegerhai_Flügel.JPG"
Als Steckverbindung zum Rumpf verwende ich DB9-Stecker/Buchsen wie sie immer noch für RS-232 Schnittstellen verwendet werden.

5. Schritt: Folienfinish

Begeistert hat mich das Logo des Tigerhais. Also habe ich das aus dem RC-Networkforum als JPG-Datei kopiert und mit dem Folienplotter geschnitten. Die Software meines Plotters "Silhouette Studio" ist so schlau und erkennt die Kanten automatisch bei einer so scharf abgegrenzter Bitmap.
Ich habe hochgänzende, schwarze Klebefolie aus dem Baumarkt verwendet.
Da das Logo aus vielen Einzelzeilen besteht, habe ich es folgendermaßen aufgeklebt:
Nach dem Ausschneiden entfernte ich erst einmal alle Folie um das Logo herum. So, dass nur das Logo auf der weißen Trägerfolie übrig bleibt.
Dann habe ich das Logo ganzflächig mit Malerkrepp überklebt. Damit lässt es sich ganz einfach und vollständig von der Trägerfolie lösen.
Mit dem Malerkrepp klebte ich das Logo auf die Tragfläche. Nach gründlichem Anreiben ließ sich das Malerkrepp wieder ablösen, ohne, dass das Logo sich von der Folie löste.
Auf der Unterseite habe ich mich für einen Tigerlook aus Oracover-Folie entschieden. Ich habe die welligen Formen mit einem Rollmesser ausgeschnitten. Dabei habe ich immer ein schwarzes und ein gelbes Folienstück übereinander gelegt, so dass ich die dann abwechselnd mit kleiner Überlappung aufbügeln konnte. Das ist zwar mehr Arbeit als alles erst mal gelb zu bebüglen, schließt aber Luftblasen aus und ist leichter.

O.K. sieht vielleicht ein bisschen wie Tiger-Ente aus  :D
Bild "Tigerhai_oben.JPG" Bild "Tiegerhai_unten.JPG"  

6. Schritt: Der Antrieb

Ich habe mich für einen eher leichten Antrieb entschieden, da es mir mehr ums Segeln und weniger darum geht, mit dem Teil herumzubolzen.
Regler: D-Power 60A
Motor: AL 35-09  135g
Luftschraube: 12.5" x 7.5"
Akku: LiPo 3s 2300mAh

Das war etwas zu leicht. Denn es waren noch knapp 100g Blei fällig, um den Schwerpunkt nach Plan einzustellen.

7. Schritt: Der Erstflug

Ein kurzer Gleitflug, der mehr ein Plumpser war, zeigte, dass man besser gleich motorisiert startet.
Offensichtlich reicht der Antrieb für meine Ansprüche locker aus. Das Modell stieg vom Start weg in einem Winkel von ca. 70°. Unter den Tigerhai Profis ist das natürlich eher schlapp - da muss es senkrechtes Steigen sein :irre: .
Der Tigerhai lässt sich sowohl motorisiert als auch im Segelflug sehr gut beherrschen und fliegt recht zügig.

Ein klasse Konstruktion - absolut empfehlenswert...