Phönix - Mach flott den Schrott


Es war einmal...

Mit dem Primus brachte die Firma Carrera in den achziger Jahren erstmalig ein für damalige Verhältnisse praxistaugliches Elektromodell auf den Markt. Der Durchbruch bestand darin, dass ein recht potenter Bühler-Motor mit Getriebe und großem Klapp-Propeller verwendet wurde. Damit war endlich ein Steigen möglich, das man als solches auch wahrnehmen konnte.
Verglichen mit heutigen Lipo-Brushless-Antrieben sah das aber natürlich immer noch kläglich aus. Vor allem das Kilo NiCd Akku musste ja gehoben werden. Und das bei einer satten Kapazität von 1200mAh!

Bild "Phoenix_Carrera_Primus.jpg"
Quelle: http://wiki.rc-network.de
Inhalt ist verfügbar unter der GNU Free Documentation License 1.2. http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html

Die 10 Zellen NiCd wurden dann auch meinem Primus zum Verhängnis. Bei einer steilen Kurve reichte die Masse aus, die recht dünnen Flächenverbinder durchzubrechen. Dass vom Rumpf nach einer ballistischen Fallstrecke von 100m nur noch kleine Balsakrümel übrig blieben, versteht sich von selbst. Die Flächen - jetzt vom Rumpfgewicht befreit - segelten unbeschädigt zu Boden. Auch die Höhenleitwerke waren dank langer Knautschzone unbeschädigt.

Die Wiedergeburt

Das schreit nach einer Wiederverwendung als Leichtwindsegler. Das Clark Y 10% ist ja vorgegeben.
Den Rumpf habe ich in Positivbauweise aus Kohlefasergewebe gebaut. Siehe dazu die Beschreibung beim CO5-2000.

Bild "Phoenix_rumpf.png"

Das Seitenleitwerk besteht auch aus CFK. Hierzu habe ich Kohlegewebe auf eine gewachste Glasplatte laminiert. Die Kontur kann man im ausgehärteten Zustand gut ausschneiden. Durch Balsaleisten werden die Seiten auf Abstand gebracht. Die Nasenleiste besteht aus einem Kohlefaserrohr, dass in den Leitwerksträger greift und dort festgeharzt ist. Dieser besteht ebenfalls aus einem Kohlefaserrohr aus dem Drachenbedarf.

Bild "Phoenix_slw.png"
    
Das Ergebnis kann sich sehen lassen - finde ich.
Die Flugeigenschaften sind sehr gut. Dank V-Form und Ohren kreist der Phönix ziemlich gut. Aufgrund des geringen Gewichts reicht die kleinste Thermik aus für lange Flüge.

Bild "Phoenix_uebersicht.JPG"  Bild "Phoenix_Seite.JPG"

Natürlich ist das nichts für Leute die Action brauchen. Das ist eher sowas wie Angeln oder Meditation. Genau das Richtige nach einem stressigen Arbeitstag...

Die zweite Reinkarnation


Bild "Phoenix_2_titel.jpg"

So schön gemütlich der Phönix zu fliegen war, so wenig wendig war er. Zweiachs Segler mit 2800mm Spannweite fliegen sich am Hang halt doch nicht so gut. So endete dann ein Flug im Lee mit Landung im Baum. Der Flieger hat sich selbst geborgen - er fiel einfach irgendwann runter.
Rumpfvorderteil komplett zerbröselt, Tragflächen und Leitwerk unversehrt.
Das Teil wanderte erst mal auf den Dachboden.
Beim Aufräumen sollte er eigentlich in den Müll wandern. Aber irgendwie tat es mir leid, da ja doch noch vieles in gutem Zustand war. Und getreu dem Vorbild des Phönix soll er ja am Lebensende wieder neu auferstehen.

Also ans Werk:

  
Die Graupner-Folie ließ sich mit einem zu heißen Bügeleisen entfernen. Riesensauerei und vermutlich nicht sehr gesundheitsfördernd. Nach dem Überschleifen war klar, dass die Bespannung wieder rot sein muss.

Bild "Phoenix_2_komplett.jpg"

Damit der neue Phönix besser um die Ecke kommt, habe ich ihm jetzt Querruder verpasst...

Bild "Phoenix_2_QR.jpg"

...und damit das mit dem Landen etwas gezielter klappt, auch gleich noch Bremsklappen eingebaut.
Im Bild oben erkennt man auch den reparierten Rumpf. Mehrere Lagen 80er Gewebe von innen, spachteln und schleifen und schon sieht er (fast) aus wie neu.

Bild "Phoenix_2_klappen.jpg"

Und das ganze dann wieder neu bespannt mit Oracover Ferrari-rot.

Bild "Phoenix_2_fertig.jpg"

Bild "Phoenix_2_SLW.jpg"

Video vom Flug des Phönix

Youtube
/!\ Du verlässt Surasto und öffnest Youtube. Youtube sammelt Daten seiner Nutzer und speichert sie außerhalb der EU